Glücklicher Popo
Ihr Lieben,
morgen ist Weihnachten. Es ist halb 10 abends und die Kinder sind trotz Aufregung irgendwann eingeschlafen. Hoffe ich! Ich trau mich nicht hochzuschauen, denn wenn sie noch wach sind, sind sie verdammt still beim Hörbuch hören. Wir haben ihnen gesagt, dass sie jetzt schnell einschlafen müssen, weil wir jetzt noch für den Weihnachtsmann aufräumen, sonst fragt der sich ja, wie wir leben. Oh man, was lässt man sich denn nicht alles für die Kinder einfallen, um den Zauber der Weihnacht aufrecht zu erhalten? Ich weiß auch nicht wie das immer so eskaliert. Bevor ich Kinder hatte, dachte ich, ich werde kein Weihnachten mit ihnen feiern, weil ich nicht wirklich mit dem christlichen Glauben aufgewachsen bin. Aber sind dann an Weihnachten in die Kirche gegangen – das war für mich irgendwie schon ein wenig schräg. Naja aber jetzt sitze ich hier im Wohnzimmer und esse die Karotte die Jaro für die Rentiere unter den Baum gelegt hat. Das Leben passiert auf seine Weise, während man Pläne seines Ideals davon schmiedet…. Ich finde es auch schon bisschen schwierig, zu starre Überzeugungen von Dingen zu haben. Dafür ist der Mensch zu wandelbar. Das Leben zu unvorhergesehen. Es hat mich schon so oft überrascht. Zum Beispiel, dass ich Weihnachten auch für meine Kinder zauberhaft gestalten möchte und mir gerade Karottenreste aus den Zahnzwischenräumen pule.

So ihr Lieben, ich bin müde und grantig und will jetzt nur noch ein Gläschen Wein aus dem dekadenten 5 Liter Weinkanister mit Martin trinken. Ich fühle mich gerade wie eine Bärin die vom Winterschlaf aufgehalten wird. Die Kinder haben mich heute extrem genervt. Und das tut mir echt richtig leid. Aber warum lassen sie mich nicht einfach ein halbes Jahr in Ruhe? Ich wäre eine top-ausgeglichene Mama, hätte ich nur meinen jährlichen Winterschlaf. Aber gut, da ich weiß, dass das vielleicht ein wenig zu viel erwartet ist, habe ich mich trotz der Grummel-Stimmung heute aufgerafft und bin mit Jaro in unseren Teich gesprungen. Das hat meine Laune kurz aufgebessert. Und dann hat er mich dazu ermutigt, gedrängt oder gezwungen – ich weiß nicht was davon, denn ich wollte das nicht machen – den Hügel vorm Haus runterzuhacken um einen Steingarten anzulegen. Entgegen meiner inneren Stimmung hat das richtig gut getan. Habs auf jeden Fall noch nie in meinem Leben bereut frische Luft zu schnappen. Auch wenn ich den- oder diejenigen die die Bezeichnung „Frische Luft schnappen“ erfunden haben, gerne mit einem Klumpen Hagel bewerfen würde. Was für eine abscheuliche Wortfindung. Wo war ich? Ach ja, Jaro hat mich damit animiert und inspiriert, die kleinen Projekte die man so im Kopf hat, einfach anzugehen. In meinem Kopf fühlt sich sowas wie ein Steingarten riesig an, aber wenn wir immer wieder ein bisschen daran weitermachen sind wir auch irgendwann damit fertig. Der Abwasch kann warten, Mutti!

Mut, Geduld, und Annahme der Dinge die sind. Das werde ich mir innerlich notieren und mit in die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr nehmen. In der Zeit auf Pause drücken und in mich gehen. Und schätzen was man hat. Wie gut das Leben es mit mir meint. Ich glaube die Besinnung auf das was man hat, die Dankbarkeit dafür, das macht für mich diese Zeit im Jahr eigentlich aus und diese Zeit gebraucht keiner Perfektion. Im Gegenteil. Ich hoffe ich werde diesen selbstauferlegten Druck mit jedem Weihnachtsfest etwas mehr los. Die Erwartungshaltung an mich – das Weihnachtsfest zu organisieren und die Kinder glücklich sehen. Auch wenn ich dazu neige ihnen gerne viele Wünsche erfüllen zu wollen, hält Martin oft dagegen. Weil nicht die Menge an Geschenken zählt oder die Wünsche die erfüllt werden, sondern der Gedanke, jemandem eine Freude zu machen. Die Qualität der Zeit die wir miteinander verbringen zählt. Einzig und allein. Und Enttäuschung darf sein, die ist Teil des Lebens.
Dieser Eintrag ist nur kurz. Ich wollt euch allen da draußen eigentlich nur schöne Feiertage wünschen. Jetzt hatte ich doch wieder mehr zu erzählen. Habt eine schöne Zeit mit euren Liebsten! Frohe Festtage von uns Chummels!Und jetzt auf Portugiesisch: Boas Festas! (Puh, das war gar nicht so schwer! Komisch, dass ich statt Feliz Natal (=Frohe Weihnachten) immer Feliz Anal (=Glücklicher Darmausgang) sagen möchte. Keine Ahnung, was da falsch in meinem Kopf läuft. Versteht ihr jetzt, den Titel des Eintrags? Naja, aus diesem Grund sag ich zu den älteren Damen im Dorf lieber “Boas Festas“.)
