Auf Reisen
Ich stellte mir Vanlife irgendwie anders vor.
Ich dachte, wir tanzen gelassen auf dem Wohnmobildach, trinken Rohkakao am Strand und unsere Kinder spielen stundenlang mit Regenwürmern.
Aber die ersten drei Wochen im Wohnmobil fühlten sich weder nach Freiheit noch nach tanzenden Eltern im Ethnolook an, sondern eher nach ungeputzten Zähnen und viel zu überdrehten Kindern.
Vorher hatten wir einen Alltag. Martin in der Arbeit und ich Zuhause mit den Kindern. Und auf einmal saßen wir in Portugal im Wohnmobil. Und waren rund um die Uhr zu viert auf fünfzehn Quadratmetern. Daran mussten wir uns erstmal gewöhnen. Oft schliefen wir mit den Kindern ein, ohne es zu wollen. Und wachten dann mit Zahnbelag zwischen dreckigem Geschirr wieder auf. Das erhoffte Happy-Hippie-Vanlife war nicht so entspannt wie ich dachte. Es war verschütteter Dosenfisch auf den Wohnmobilsitzen, Kinder die sich wie Raubkatzen gegen den Kindersitz wehrten, und Eltern, die sich als Team wieder finden mussten.
In all dem Chaos hatten wir auch eine sehr schöne Zeit im Wohnmobil. Wir haben so viel von Portugal entdecken können. Es gab unzählige schöne Momente die wir immer im Herzen tragen werden: Die atemberaubenden Steilküsten von Südwestportugal, Abenteuerwege die wir mit unseren wilden Kindern als Wanderführern entdeckten, und die vielen, unvergesslichen Begegnungen mit Menschen, die ein etwas anderes Leben führten.
Wir mussten uns damals einfach Zeit geben uns als Familie in diesem neuen Leben einzufinden. Vanlife entsteht nicht über Nacht. Es ist ein Lebensstil, an den wir uns gewöhnen mussten. Und als wir das erkannt hatten, da wurde es einfacher. Wir jagten nicht mehr irgendwelchen Traum-Stellplätzen hinterher, sondern wir überlegten uns, was tut uns als Familie jetzt gut? Was brauchen wir?
Und eines Tages wurde uns etwas klar: Das Reisen hatte seine wunderschönen Seiten. Jeder Tag war aufs Neue ein Abenteuer und wir erlebten so viel Schönes. Doch auf Dauer passte das Reisen nicht zu unseren Bedürfnissen als Familie. Denn die Rastlosigkeit von Martin und mir lag nicht am Reisen. Es war der Wunsch nach einem festen Zuhause. Einem Ort, an dem wir Wurzeln schlagen konnten. Wo die Kinder die Chance hatten, feste Freunde zu finden. Ein Zuhause in das wir immer wieder zurückkehren können, wenn es uns wieder in die Weite der Welt zieht. Und irgendwann wird es das. Wir wollen noch so viel sehen.
Und so machten wir uns auf die Suche nach jenem Ort. Doch das ist eine Geschichte für den nächsten Blogeintrag.
